© by Marcus Höhne 2011
Umgeben von Wiesen, Weiden, Äckern und Wald liegt Papitz in der flachen Landschaft des Glogau- Baruther Urstromtales, und der 37 Meter hohe Kirchturm, inmitten
des Dorfes gelegen, ist weithin in der Landschaft sichtbar. 1996 konnten die Papitzer Einwohner ihr 650jähriges Jubiläum mit einer Festwoche begehen, denn die
Kirche zu Papitz fand bereits 1346 in der Meißener Bistumsmatrikel Erwähnung. Uralt ist die große Kirchenglocke mit einem Durchmesser von 110 cm, stammt sie
doch aus dem Jahre 1396. Auch das Alter der Orgel ist erwähnenswert. Erbaut wurde sie 1827/28 von Christoph Schröther aus Sonnewalde.
1350 schrieb sich das Angerdorf Papitz noch “Popewitz”. In diesen Jahr wurde der Pfarrer in den Bann getan. Der Bau des heutigen Kirchengebäudes erfolgte
wahrscheinlich ab Mitte des 14. Jahrhunderts. Der rechteckige Backsteinbau mit seinem massiven Westturm ist im Stil der Spätgotik errichtet. Aus dem Jahre 1682
stammt die hölzerne Kanzel.
1658 übernahm Johannes Korn das Pfarramt, 1706 folgte ihm sein Sohn, diesem dann Enkel und Urenkel. Bis 1823 übten somit vier Generationen der Familie Korn
diese Tätigkeit aus. Das Bild von Pfarrer Johannes Korn, ehemals in der Tür der Kanzel eingelassen, befindet sich als Leihgabe im Besitz der Familie Korn. Seit 1811
berichten Kirchenbücher und seit 1823 Pfarrakten zur Geschichte des Dorfes und ihrer Familien. Frühere Aufzeichnungen gingen 1823 durch einen Brand des
Pfarrhauses verloren. Über Jahrhunderte hindurch wurde die Entwicklung von Papitz von verschiedenen Adelsfamilien geprägt. Von 1495 stammt ein Lehnbrief für
Hans und Nickel von Zeben über “Papicz das clyne Ende”. 1597 erbaute Adam von Schlieben eine Windmühle. Seit Beginn des 17. Jahrhunderts gelangte Papitz in
den Besitz der Familie von Schlieben. Die Volkszählung von 1652 wies 18 Hüfner, zehn Gärtner und acht Büdner aus, wobei die Angabe zur Zahl der Ehefrauen fehlt.
Einer der Büdner, aufgeführt unter Nummer 34, war “Georg Noatzke, im Lande geboren, ist Spielmann und Hausschlächter, sonst ein armer Mann“. Schon damals
tauchten weitere Namen wie Glinsk, Nowotna, Groth und Graba auf, die sich bis in die Gegenwart erhielten. 1678 kaufte Siegfried von Löben das große (östliche) und
kleine (westliche) Ende von Papitz nebst Rittersitz und Schäferei. Letzter adliger Besitzer des Gutes war von 1828 bis 1864 von Hake. Die Bewohner des Dorfes
gehörten vorwiegend der wendischen Nationalität an. Um 1850 beherrschten noch 444 der 456 Einwohner die wendische Sprache. 1867 vernichtete ein verheerender
Brand zehn Bauernwirtschaften. Dank der Solidarität der Bevölkerung des eigenen und der umliegenden Dörfer konnte der Wiederaufbau nunmehr massiver Gebäude
in kurzer Zeit erfolgen. Die stattliche Eiche schmückt seit 1871 den Dorfanger. Zu den bedeutenden Persönlichkeiten dieser Zeit zählte David Kopf. Zunächst als
Lehrer, dann als preußischer Schulinspektor tätig, machte er sich auch als Schriftsteller einen Namen. Für seine Verdienste wurde er mit dem roten Adlerorden geehrt.
1865 verstarb er in Berlin.
1864 kaufte der industrielle Kahle den Gutsbesitz, der 1910 schließlich an eine Siedlungsgesellschaft veräußert wurde. Von ihr erwarben Ortsansässige Land und
erweiterten durch ihre Bautätigkeit die Ortslage in westöstlicher Richtung auf eine Länge von ca. 1250 Metern, während die Nordsüdausdehnung nur ca. 450 Meter
beträgt. Das Vorwerk Rabenau war ab 1821 entstanden und erhielt seinen Namen vom damaligen Gutsbesitzer Hauptmann von Rabenau. Das Schloss diente in der
Zeit nach dem ersten Weltkrieg als Ausflugs- und Tanzgaststätte. Bis zu Mitte des vorigen Jahrhunderts war, abgesehen von wenigen Handwerksbetrieben auf
Familienbasis, die Landwirtschaft die entscheidende Erwerbsquelle für die Einwohner. Mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Cottbus-Berlin 1866, erhielten die
Papitzer erweiterte Möglichkeiten für den Absatz ihrer landwirtschaftlichen Produkte sowie für ihre berufliche Tätigkeit vor allem bei der Deutschen Reichsbahn und den
Textilbetrieben der Stadt Cottbus, was zur allmählichen der Berufsstruktur führte. Die Einwohnerzahl änderte sich jedoch nur geringfügig, 1910 lebten in Papitz 770
Bürger. Das alte, heute noch existierende Schulgebäude neben der Kirche wurde 1877 erbaut. Der älteste namentlich bekannte Lehrer war 1810 Mathes Neumann.
Bereits 1875 entstand, dem allgemeinen Zug der damaligen Zeit folgend, der Schützenverein. Er weihte am 3. Oktober 1920 das Kriegerdenkmal für die sieben
Gefallenen des Ersten Weltkrieges ein. Schon vor 1900 pflegten sangesfreudige Männer den Chorgesang. 1905 gründete der Lehrer Heinrich Jordan den
Männergesangsverein, den sein Nachfolger Martin Ruben zum gemischten Chor erweiterte. Sportbegeisterte Einwohner wie Albert Werchosch, Adolf Groß und
Wilhelm Glinsk bildeten 1909 den Papitzer Sportverein. Turnen, Gymnastik und Ballspiele standen im Mittelpunkt der sportlichen Tätigkeit. 1913 zählte der Sportverein
bereits 40 aktive Mitglieder.
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